Compass

 SY "BUDLUP"

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Am Ende

Am Nachmittag des dritten Tages unserer Talfahrt haben sich Wolken, rund um uns herum zusammen gezogen. Es dauerte auch gar nicht lange, bis es da und dort zu blitzen und zu donnern anfängt und Regenvorhänge an uns vorbei gleiten. Wo Gewitter sind ist auch Wind! Just in dem Moment, wie uns dieser von der Seite einfängt stirbt der Motor!

„He, hämmer no Most? “ „Ja, ja, d’ Tankuhr zeigt no 1/3 voll aa und nach de Rächnig häts no 60 Liter im Tank! “ Auf den ersten Offizier ist verlass, die Buchführung hat er im Griff. Bevor wir heute losgefahren sind habe ich mir den Dieselvorrat noch vorrechnen lassen. Das kann es also nicht sein, aber was ist es denn? Wir liegen auf 15m über Grund mitten im Bach bei auflandigem Wind. Das Ufer und seine vorgelagerten Untiefen sind noch ca. 1 sm entfernt. Zum Nachdenken und damit wir zwischenzeitlich nicht abdriften lasse ich den Anker fallen.

Wenn es der mangelnde Sprit nicht ist, dann wird es langwieriger. Also gehen wir wieder Anker auf um uns aus dieser exponierten Lage zu befreien, was ohne Motor gar nicht so einfach ist! Wie wir, nach einigen Versuchen endlich frei kommen kreuzen wir unter Vollbesegelung auf unserem Weg weiter. Es schwebt mir eine schützende Ecke vor, wo wir die anstehende Nacht verbringen könnten. Aber das gelingt mir nicht weil, nach 4 Std. Segelei, genau in der Einfahrt zum rettenden Bolong der Wind ab Handen kommt. Ich will noch etwas abwarten, ob vielleicht der noch auflaufende Strom dieses Kunststück vollbringt und uns da hinein spülen wird. Aber wir haben kein Wasser mehr! Schon lange dringen aus dem Bootsinnern die immer eindringlicher durchgegebenen Wasserstandsmeldungen meines Maats, der bald nicht mehr mein Maat sein will an mein Ohr: „ 3.5m bi Hochwasser!! Uf waas wartisch eigentlich noo? Las e mal de Anker abee!!!“ 3.5m bei Hochwasser meint 0.0m  bei Niedrigwasser unter dem Kiel. Schon gut, ich habe genau verstanden,  an der blödesten aller Ecken will ich ja auch nicht trocken fallen. Also eile ich gehorsam nach vorne um zu beenden was sowie so schlecht begonnen hat.

Obwohl wir schon ein paar Stunden ohne Motor unterwegs waren ist der Raum im Schiffsinnern immer noch aufgeheizt. Ich bin fühlbar entspannt, weil alles was machbar war getan ist. Es gibt nichts aufzukrempeln, ich stehe in den Unterhosen da und schraube den Boden auf um an den Dieseltank heran zu kommen. Als der Inspektionsdeckel auch noch offen ist, staunen wir nicht schlecht weil an Stelle der erwarteten Dieselalgen, welche die Filter mit samt Leitungen hätten verkleben sollen überhaupt gar nichts drin ist! Das Problem zu beheben ist ja ein Klacks!! Was für eine Arbeit hätte uns heimgesucht, wenn das Erwartete eingetroffen wäre!!!

Als Erstes beschliessen wir später darüber zu reden weshalb die Treibstoffberechnungen soweit daneben gelegen haben und kramen den 20l Ersatzkanister zuunterst aus der Backskiste hervor. Anschliessend nehme ich die Motorentlüftung mit Hilfe des Handbuchs vor und punkt 24:00Uhr läuft der brave Gehilfe wieder. Voll Adrenalin will ich gleich darauf den ungünstigen Liegeplatz verlassen, um 4 Std. weiter, vor der Bintang Bolon Lodge den wohl verdienten Schlaf ab zu halten.  Der Vollmond beleuchtet unser Umfeld und vom schlechten Wetter ist nichts mehr zu sehen, aber Monika will nicht mehr. Sie ist total müde und will nur noch schlafen. Da der Motor makellos schnurrt denke ich: Das ist die Gunst der Zeit, ich mach das auch allein! Guter Dinge begebe ich mich in den Bug um den Anker zu heben, doch, was ich auch versuche die Ankerwinde versagt mir den Dienst: „Waas zum Tüüfel …!“

Hand über Hand das Boot an der Kette zum Anker verholen, ist bei soviel Strom ein Ding der Unmöglichkeit. Jetzt ist endgültig Feierabend! In der Resignation übermannt auch mich die Müdigkeit und ich werfe mich neben meiner Liebsten in die Koje. Am Ende verbringen wir, allen Befürchtungen zum Trotz eine absolut ruhige Nacht.

Der Wecker holt uns um 08:00Uhr aus der Bewusstlosigkeit ins Leben zurück. Bald wird der Strom in die entgegengesetzte Richtung zu fliessen beginnen (kentern), der einzige Moment an dem ich den Anker von Hand an Deck bringen kann. Bewegung, Bewegung die Motivation ist wieder da. Wir werden Heute bis nach Lamin Lodge verschieben, am fünften Tag vor Eintreffen unserer Gäste. Das Passt!

 

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