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 SY "BUDLUP"

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Abwärts

Der Weg ist definitiv das Ziel. Georgetown lebt vom Tourismus. Lage und Geschichte sind interessanter als das Dorf. Europäische Verpflegung gibt es zu Hauff in all den Lodges und Restaurants, aber das Angebot in den Läden und auf dem Markt ist spärlich. Am Morgen des dritten Tages machen wir den Abflug, keinesfalls wollen wir die Ankunft unserer Gäste verpassen.

Eine alte Wunde am Schienbein, die ich mir wiederholt aufgerissen habe bereitet Kummer. Sie ist entzündet und eitert. Seit einigen Tagen pflege ich sie intensiv, reinige, verbinde und desinfiziere sie mehrmals täglich. Die Wunde verdankt den Aufwand und zeigt sich stabil. Deshalb fahren wir unbeschwert und können die Reise abwärts viel mehr geniessen als wie wir, umgekehrt ins Ungewisse gefahren sind.

Da, ein Krokodil, ich glaubs nicht, es querte den Fluss ~15 m vor unserem Bug. Noch bevor ich Monika aber an Deck scheuchen kann taucht es wieder ab! Natürlich ist es mir auch nicht gelungen ein Foto von ihm zu schiessen. Ihr könnt es mir glauben oder nicht, wie meine Frau, aber es ist wahr, es war min. 2 m lang! Es wurde uns von Einheimischen Fischern berichtet, sie seien extrem lärmempfindlich und hielten sich deshalb weit ab von menschlichen Siedlungen. Ausserdem seien sie viel seltener zu entdecken wie die Hypos. Mit geschärften Augen sehen wir jetzt auch andere Tiere wie Affen, Paviane, Leguane, Geier und Adler in den Palmen, auf Bäumen, beim Essen und Jagen. Wir sind Traumwandler!

Wir sind bereits wieder in der Nähe der Salzwassergrenze. In der Nacht überfliegt uns zur Abwechslung wieder einmal ein Gewittersturm, aber wir liegen gut geschützt in einem Seitenarm. Vom andauernden Stehen hinter dem Steuer ist mein Bein angeschwollen und die Wunde glänzt wie eine polierte Bernerrose. Mein Schiffsarzt macht tiefe Falten auf der Stirne: „Bisch aber sälber gschuld, fo Georgetown us wärets nu 30km bis zumene Arzt gsie, jetzt fählt nuno das fieber häsch!“ Ich habe Fieber, aber nur 37.3°. Weit weg von allen Möglichkeiten kramt meine Krankenschwester Antibiotika aus der Bordapotheke und verabreicht mir als Sofortmassnahme zwei, und in den folgenden 10 Tagen den Rest der Tabletten. Als Reaktion ist das Fieber während der Nacht auf normal Temperatur gesunken und ich machte wieder auf < tutti paletti >.  Wie ich einsehe, ist in diesen Breiten mit so was nicht zu Spassen. Die Temperaturen und das Salzwasser sind beste Nahrung und reichlich Dünger für Bakterienkulturen, unverletzt zu bleiben ist hier erstes Gebot!

„Spanischnüsslidampfer“

Siehst du was ich sehe? Weit vor uns schwimmt ein grosses undefinierbares USO. Es dauert Stunden biss wir es eingeholt haben und erkennen können was es ist. Es handelt sich um einen Flussdampfer. Er sieht aus wie ein Rheinschiff seitlich mit je einem Schwimmcontainer gekoppelt. Jetzt erinnere ich mich wieder in den frühen Morgenstunden, noch am Anker liegend sein Motorengeräusch, draussen im Fluss gehört zu haben. In einem grossen Bogen biegt er zielsicher vor uns in den schmalen Seitenarm ab der Elefant Island, vom Rest Afrikas trennt. Das ist total unlogisch, der Weg ist auf beiden Seiten der Insel gleich lang! Wählt er diese Route auch in der Nacht, wenn ihn die Gezeit dazu veranlasst? Als wir letztmals im Fluss aufgestiegen sind, haben wir genau in der Mitte dieses Seitenarms genächtigt und glaubten  uns hier gut geschützt und sicher zu liegen! Ich denke unser Glück ist unerschütterlich.

 

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