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 SY "BUDLUP"

                                     HBY3891 - MMSI 269432000


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Alte Bekannte

Der Hafen ist nicht vorbereitet für uns Segler! Eine einzige, freie Mooringboje, kaum 7m von ein paar andern entfernt, die mit kleinen Booten belegt sind, ist verfügbar. So ist es unmöglich die Budlup unbeaufsichtigt zurück zu lassen, denn sollte der Wind drehen, wird’s schärbeln! Also setzten wir den Anker an den Rand des Fahrwassers, wo es gerade noch tief genug ist, sodass alle an uns hätten vorbei kommen können. Aber eine Frauenstimme auf Kanal 16, des VHF Radios war da ganz anderer Meinung: „Im Hafen ankern ist verboten!“

 

Nach drei Stunden erhielten wir endlich einen Platz am Quai, vor der Prefectura und weil Harvey gerade eingetroffen ist, gaben wir ihm diesen Platz. Danach verholten wir längsseits und machten an ihm fest. Mit einem feinen Essen aus Monikas Küche feierten wir abends gemeinsam unsere wiedererlangte Freiheit auf der Budlup. Was...<Bumm!> Da ist es wieder! Ein harter Schlag, spürbar im Rücken und ein Beben findet den Weg durchs Boot! Grundberührung, ein ekelhaftes Gefühl, welches durch Mark und Bein geht. Ein paar Manöver waren von Nöten, eine weitere Leine hier und eine andere da und Ruhe kehrte ein, jetzt waren wir endlich befreit und einem verdienten Schlaf stand nichts mehr im Weg.

 

Bevor die Fahrt weiter gehen konnte, vergingen ein paar Tage wegen viel Wind und grober See von Süden. Aber am Nachmittag soll es drehen, sagt Internet. Früh bringe ich Monika mit der Budlup an die kleine Boje und rudere zu Harvey zurück. Ich will ihm helfen, die Pegasus bei Hochwasser vom Sand runter zu bringen. Er hat, mit 10cm mehr Tiefgang und 20 Tonnen Gewicht von Anfang an aufgesessen. Aber vier Stunden harte Arbeit hätten bei weitem nicht gereicht, hätten da nicht die hilfsbereiten Leute der Prefektura, mit der grossen Winsch ihres Zerstörers entscheidend mitgeholfen! Zwei von Harveys  besten Leinen sind bei dieser Übung draufgegangen.

Bei, noch Tageslicht und rosa verfärbtem Himmel erreichen wir die offene See vor dem Hafen. Wir segeln nachts über unserem neuen Ziel Piriapolis entgegen. Dort hoffen wir Harveys langjährigen Freund Whisky Lennart, den wir unsererseits vor zwei Jahren in Las Palmas kennengelernt haben, zu überraschen. Er hat in Piriapolis vor einem Jahr die Leinen fest gemacht, nach dem er bei Kap Horn, in einem Orkan mit seinem Segelboot fast Schiffbruch erlitten hat. Es gefällt ihm an diesem ansprechenden Ort sehr gut. Er will nicht mehr hinaus, er hat nach dem Vorfall Angst vor dem Wasser, obwohl, er fuhr als Grossschifffahrtskapitän sein Leben lang zur See. Seit drei Jahren ist er schon pensioniert und, müssen tut er gar nichts mehr. Nachdem er sich, seinen 30 Jahre lang gehegten Traum, Kap Horn mit dem eigenen Boot zu umrunden erfüllt hat, will er jetzt nur noch geniessen. Wie wir im Hafen eingelaufen sind, war die Überraschung für ihn perfekt. An mehreren gemütlichen Abenden, auf seiner SY Capo Horno, erzählte er uns, noch immer spürbar geprägt, von seinem vorläufig letzten Törn.

SY Kit Kat ist auch da, sie steht im Hafenareal auf dem Trockenen. Von ihrer Crew, Debbie und Sean keine Spur! Der Hafenkapitän weiss aber Bescheid: Die hätten sich unweit des Hafens ein Haus gekauft und kämen nur sporadisch vorbei um an ihrem Boot zu arbeiten. Debbie und Sean haben wir unterwegs mehrmals getroffen, das erste Mal im Gambie, danach auf den Abrolhos, dann in Guarapari und zuletzt bei Ilha Grande und Angra dos Reis. Lennart weist uns den Weg, klar dass er die Beiden gut kennt und dass er schon viele Churrascos mit ihnen, in ihrem Garten gefeiert hat! Debbies und Seans erklärtes Ziel war es, den Südatlantik zu umrunden. Also, von Buenos Aires nach Kapstadt über zu setzen und von da nach England zurück zu segeln. Aber oft kommt es anders als man plant! Oder mit Harveys Worten: „Willst du Gott lachen sehen, dann erzähl ihm deine Pläne!“ Uruguay und insbesondere Piriapolis gefällt den Beiden so gut, dass sie ebenfalls beschlossen haben eine undefinierte Zeit lang hier zu verweilen. Debbie und Sean haben für Segler ein offenes Herz und so haben wir zusammen einen herrlichen Abend bei ihnen verbracht.

 

Harvey brennt es unter den Nägeln, den drüben in La Plata wartet seine langjährige Freundin Sofie auf ihn. Sofie und Harvey waren während Jahren Stegnachbarn in Mogan, Gran Canaria und kennen sich sehr gut. Auf den verschiedenen Reisen mit ihren Booten blieben die Beiden via E-Mail dauernd in Kontakt und so kam es, dass Harvey genau wusste, wo in Argentinien er hin wollte! Deshalb setzten wir zusammen den Kurs nach La Plata ab, um auch den letzten Reiseabschnitt noch gemeinsam unter den Kiel zu nehmen.

 

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Wir sind also, gesund und wohlbehalten dort angekommen, wo wir als erstes hin wollten, in Argentinien. Von unserem letzten, berichteten Standort Santos, bis hierher legten wir 1136sm zurück, die schöner, spannender und anspruchsvoller waren als wir denken konnten! Aber es war es mehr als Wert, dass wir uns da durchgebissen haben. Oder war es nicht genau das, wonach wir sinnten, die Reise als Abenteuer und vornehmstes Ziel?!

Der Budlup reicht es für diesmal nicht nur am Bauch gekrault zu werden, die Reise hat sie arg strapaziert. Gar manches Ding ist gebrochen, Sprayhood und Segelabdeckungen sind vom Sonnenlicht gegart und an zu vielen Stellen hat der Lack sich davon gemacht. Richtig aufwendige Pflege ist angesagt, aber erst im nächsten Jahr, denn im Moment sind wir ganz einfach müde. Für den 22. Oktober haben wir einen günstigen Flug in die Schweiz gebucht. Wir müssen mal wieder Kleinkinder unter dem Christbaum gucken gehen und mit Freunden und Familie zusammen treffen.

Danke, dass es euch interessiert hat und dass ihr auf diese Art an unserer Reise und unserem Leben teilgenommen habt!

Berichte:

 

 

Seelöwen oder Seeleoparden
wenig Wasser im Hafen
Riesen und Zwerge
 Auf nach Piriapolis
vorbei an Punta del Este
Piriapolis wir kommen
Piriaps Hote
TouristenAtraktion
hier stinkts
 Herrscher im Hafen
WhiskyLennart
bitte nichts Süsses
Debbie + Sean
Harveys Cruisingsheet
Ilha de Flores
Ensenada, Argentinien