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 SY "BUDLUP"

                                     HBY3891 - MMSI 269432000


unbeachtet wiederentdeckt:
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Unbeachtet wiederentdeckt

Den direkten Kurs nach Porto Belo konnten wir nicht anhalten, weil der Wind in den frühen Morgenstunden und noch nicht auf halbem Weg einschlief. Die See präsentierte sich chaotisch, ein System der Wellen war nicht auszumachen, von überall fielen sie ein und warfen uns herum. Der Baum und die Segel schletzten wie wild herum, es tat einem in der Seele weh. Das Material drohte zu Bruch zu gehen, und bis Porto Belo lagen noch 145 Meilen vor uns.

Dazwischen, aber auch immer noch 80sm entfernt lag Paranagua.

Paranagua, seit langem ein Ziel, worüber Monika, in einem Bericht von einem Seglerpaar, und in einem Reiseführer nachgelesen hat. Es wurde darin über eine Eisenbahnstrecke berichtet, die durch einen Urwald, in die Berge nach Curitiba führt. Dann also, wenn schon Dieselwind, dann nichts wie dahin, wo wir so wie so einmal hin wollten!

Der Zeitplan geriet gehörig durcheinander. Die, für die Grossschifffahrt gebaggerte Flusseinfahrt in die Lagune von Paranagua erreichten wir genau um Mitternacht. Was einerseits gut war, weil dann keine dicken Pötte unterwegs sind, andererseits aber war es stockdunkel. So tasteten wir uns mit Radar und Scheinwerferunterstützung durch den 10sm langen Engpass zu einem sicheren Ankerplatz vor, wo wir uns, aufgewühlt zur wohlverdienten Nachtruhe niederliessen.

Der Tag brachte eine fantastische, naturbelassene Mangrovenlandschaft ans Licht. Dazwischen, halb verborgen Siedlungen indianischer Fischer, deren Bewohner in laut knatternden Langbooten in alle Richtungen unterwegs waren und uns freundlich grüssten. Willkommen in einer anderen Welt, nach Santos, Balsam auf unsere Herzen!

Kaum mehr wie eine Stunde flussaufwärts erreichten wir den angepeilten Ankerplatz. Idyllisch liegt dieser bei einer Insel, knapp eine Meile vor der, über Flachwasser, mit dem Beiboot leicht zu erreichenden Stadt Paranagua. Da lag auch schon ein Colinarcher, ein Norwegischer Doppelender Riss mit Namibischer Landesflagge. Eine blonde Nettheit war darauf gerade dabei Wäsche zu waschen?! Neugierig geworden, stellte ich uns längsseits neben sie in den Strom und fragte gespannt: „Praat je africaans, or English?“ worauf sie antwortete: „Nö, German!“ Auch gut, das können wir zufällig am besten. Aus dieser Begegnung entwickelte sich eine kleine Freundschaft, die typischer nicht sein konnte.

Die Deutsche Doris und Jan, ihr Ehemann, seines Zeichens Schotte kamen knapp einen Tag vor uns hier an und sie haben ihre Basis in Lüderitz was natürlich erklärt weshalb sie eine namibische Landesflagge fahren. Doris rundete die Erde schon einmal in einem Segelboot aber mit ihrem ersten Ehemann. Jan, ihre grosse Liebe hingegen pflügt mit Vorliebe im Atlantik herum, wo er sich hervorragend auskennt. Jan war in seinem ersten Leben Grossschifffahrtskapitän und gelangte so in die südliche Hemisphäre. In seinem zweiten bekleidete er die Stelle eines Hafenkapitäns in Lüderitz, was ihre Homebase erklärt.  So haben die zwei, fast von selbstsprechend auf dieser Reise von Lüderitz nach Salvador, in Mitten des Süd- Atlantik auf der Insel Sankt Helena geheiratet! Auf ihrer letzten Heimreise von Buenas Aires nach Lüderitz brauchten sie für die ca. 4’000sm mehr wie 50 Tage! Eine schöne Reise, auf der sie die Gelegenheit hatten die Insel Tristan auf 37°05’S und 012°16’W, die über keinen geschützten Ankerplatz verfügt zu besuchen, was einer eher seltenen Wettersituation zu verdanken war.

Freimütig durften wir hier in interessante Seglerleben Einblick nehmen. Klar, dass sich dabei unsere eigenen seglerischen Leistungen eher bescheiden, wenn nicht gar mickrig ausnehmen, aber wir sind über die beiden neidlos begeistert. Nicht nur romantisch, es scheint eher wie eine Fügung, dass sich die zwei gefunden haben!

Berichte:

 

 

 

Frieden auf Erden
Historisches Paranagua
Jan und Doris von der SY Auk
Historisches Paranagua
Historisches Paranagua 2
Historisches Paranagua 3
Historisches Paranagua 4
Frieden auf Erden