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 SY "BUDLUP"

                                     HBY3891 - MMSI 269432000


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Wieder allein

Unglaublich wie schnell die Ferien von unseren Besuchern zu Ende sind! Noch in Morro de Sao Paulo haben wir sie auf die Schnellfähre nach Salvador gesetzt, gerissen der Film, aber wir werden uns bald wieder sehen. In der Folge und weil es uns hier so gut gefällt, gönnen wir uns zum ersten Mal in unserem Leben eine Woche Badeferien. Mindestens einmal täglich wandern wir bei Niedrigwasser der traumhaften Westküste entlang von Gamboa, wo die Budlup vor Anker liegt, nach Morro de Sao Paulo. Der Küstenstreifen ist mit Felsbrocken locker übersäht und zwischendurch liegen in Buchten kleine verträumte Strände, die zur Abkühlung und zum Schwimmen einladen. Morro liegt am Nordende der Insel, unterhalb des Leuchtturms, eben des Morro de Sao Paulo auf der Ostseite über dem Atlantikstrand Nr.1 mit hunderten von Sonnenhungrigen und lärmenden Touristen. Ab hier sind die kilometerlangen, weissen Sandstrände durchnummeriert und schon nach ca. 5km und Strand Nr.3 ist man alleine.

Schön und gut, aber wir haben’s gehabt, wir wollen weiter. Der passende Wind verweigert sich uns, er bläst entweder nicht oder aus der Gegenrichtung. Da es aber nur ca. 40sm sind bis Camamu machen wir uns am 21. April wieder auf den Weg und können schlussendlich doch noch ein paar Meilen segeln. Camamu ist die zweitgrösste Bahia Brasiliens und sehr abgelegen. Wir liegen vor der Pousada Lotus, wie schon viele vor uns und bewundern die von Hand gestickten Segelchen mit Bootsnamen darauf an der Wand der Bar. Für den Einkauf in Camamu werden wir um 06.00 von der Personenfähre von Bord abgeholt und später auch wieder zurück gebracht. Diesen Service schätzen wir deshalb, weil die Gewässer hier mit vielen Untiefen gespickt sind und da das Dingi so sicher an Deck verzurrt bleiben kann.

Die Bucht von Camamu ist das eigentliche Bootsbauzentrum von Brasilien. Hier werden in verschiedenen Dörfern und Werften fast alle grossen Traditionsschoner mit primitiven Werkzeugen für einen undefinierten Markt hergestellt.


Vom Schoggihafen zum Doppelriff

Neun Tage nach unserer Ankunft vor der Pousada Lotus haben wir um 04.00 den Anker wieder gelichtet und uns auf den Weg zum 64sm entfernten Ilhéus begeben. Im Logbuch steht: 04.15 Motor an und 16.40Uhr Motor aus, nach 12,5 Stundend Motorenlärm Anker auf 5m gesetzt! Langsam aber sicher fängt es mir an zu stinken: “Bläst denn der Wind an dieser Küste gar nie aus der nördlichen Ecke?“
Eigentlich nicht, so zumindest macht die Anlage des Hafens in Ilhéus den Eindruck. Eine riesige Pier reckt weit nach Ost-Nordost ins Meer hinaus und lässt unsere Budlup wie auf offener See parkiert aussehen. Bei dieser Konstellation werden Wind und Wellen aus dem nördlichen Quadranten richtiggehend eingefangen und dann wird es hier vor Anker sicher sehr ungemütlich werden. Der Hafen von Ilhéus wurde aber nicht für uns sondern für die Grossschifffahrt gebaut, denn von hier wird beinahe die gesamte Kakaoproduktion Brasiliens in alle Welt hinaus verschifft. Die an der Pier vertäuten Frachter bekommen selbst bei Nordwind nur wenig Schwell ab und liegen da gut und ruhig.

Dieser Ort dünkt uns besser als sein Ruf! Die Leute des Yachtclubs sind unaufdringlich aber hilfsbereit und wir dürfen die ganze und saubere Anlage kostenlos benützen. In der Stadt trinken wir die beste Schoggi und essen die beste Schokoladeneiscreme ever. Die Verkäuferin der Pralinen fragten wir daraufhin neugierig: Ob ihre Pralinen denn auch so gut wären wie die aus der Schweiz? Da entgegnete sie fast empört: „Never!“ Trotzdem kauften wir uns welche und degustierten sie mit Interesse. Uns haben sie geschmeckt obwohl sie auf der Zunge nicht gerade weggeschmolzen sind. Wir haben noch vernommen, dass es hier eine grosse Schweizerkolonie geben soll, vorwiegend in der Hotelbranche tätig, aber kennengelernt haben wir keinen.

In den sechs Tagen unseres Aufenthalts haben wir noch einen davon mit Behördengängen verbracht. Wir müssen auf Anordnung hin am Wochenende weiter, aus dem Bundesstaat Bahia, wenn’s für uns passen sollte bis zu den Abrolhos. Aber es kam anders, von Süden kam eine Kaltfront angefräst, wir mussten warten. Nach der Front drehte der Wind wie erwartet und ungemütlicher Schwell lief in den Hafen. Einen Tag später liefen wir direkt nach der letzten Schauerböe aus. Die Wellen kamen hoch von quer ab, Achterbahn pur aber der Wind passte. Wir segelten bis in den Abend hinein, dann versuchten wir dies und das, aber es war hoffnungslos, weil der Wind immer mehr drehte bis er schlussendlich gegen uns stand. Für nunmehr 22Std hatte der Motor wieder das Sagen und wir ordneten uns unter. Anstelle der Abrolhos suchten wir den Kontakt mit Jürgen Lechte, dem TO Stützpunktleiter in Santo André (immer noch Bahia) um einen Lotsen um die Riffe vor der Ortschaft in den Fluss hinein zu bekommen.

Kurz nach Sonnenuntergang erreichten wir unter Stress den Treffpunkt bei der Einfahrt vor Santo André. Es war uns von Jürgens Frau Anna-Lucia nahe gelegt worden, vor dem Einnachten an besagtem Punkt einzutreffen, ansonsten uns niemand mehr einweisen werde! Hochwasser, das passt perfekt und vom Hintergrund löste sich bedächtig ein kleines Fischerboot, welches auf uns zuhält. Neben dem Mann am Steuer sitzt ein kleiner Junge, der offensichtlich seinem Vater den Feierabend verzückt. Dem Atlantischen Schwell ausgesetzt schlingert das zerbrechlich wirkende Boot ganz beträchtlich aber der Mann weiss was er tut. Gekonnt dreht er vor uns ein, winkt kurz und wie im Schlepptau zieht er uns im zik - zak - Kurs hinter die Riff’s zu einem guten Ankerplatz. Entspannung und eine geruhsame Nacht sind angesagt, denn kurz nach dem Ankerfall ist’s, eine halbe Stunde nach Sunset stockdunkel.

Noch in der gleichen Woche kehrt Jürgen aus Deutschland zurück und lotst uns den Fluss hinauf vor sein Grundstück, wo an einem Steg sein Segelboot Taigun, ebenfalls eine Vindö fest vertäut liegt. Hier gefällt es uns sehr gut und in den kommenden 4Wochen erledigen wir viele, längst fällige Unterhaltsarbeiten am Boot. Jürgen mit seiner 20jährigen Brasilien Erfahrung rät uns erst im Oktober zur Weiterfahrt, zu unbeständig sind die Winde im Südwinter, so wie wir es eben selbst erlebt haben. Weil also alles passt und weil mein alter Arbeitsgeber dringend meinen Einsatz sucht und unser Sohn Michael mit Familie samt Zuwachs im Juli aus Südafrika in die Schweiz zurückkehrt entschliessen wir uns kurzerhand zu einem dreimonatigen Heimaturlaub.

14Tage später melde ich mich für 2Monate bei meinem Brötchenspender, voll motiviert aber schneller ging’s nicht.

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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