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 SY BUDLUP

                                     HBY3891 - MMSI 269432000


Kulturschock:
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Seit gestern sind wir wieder im Wasser, genau 4 Wochen nach unserer Ankunft am Dienstagmorgen um 04:00 vor dem Ankerfeld des CVD (Cercle de la Voile de Dakar). Die Überfahrt war sehr ungemütlich. Der Unterschied vom <wahren Wind>, bei der Planung durch die Prognosen bekannt, und dem <scheinbaren Wind> auf der Fahrt erfahrenem, wurde uns eindrucksvoll demonstriert. Anstelle des schnellen halben Winds, waren uns unangenehme 45-60° am Wind beschieden, was einmal mehr viel grünes Wasser über Deck und durch leckende Fenster - und Lukendichtungen bedeutete. Mit Genugtuung stellen wir aber fest, dass die Art des Reisens uns nicht mehr fremd ist, und uns auch nicht mehr ungebührend beeindruckt! Im Gegenteil, wir sind fähig, lichte Momente zu geniessen und Ungemach geduldig zu ertragen. Haben wir etwa erkannt, dass alles eine Frage der Zeit ist, und nichts ewig dauert?

Die Abenddämmerung hat uns umgeben bevor Dakar für uns aus dem Dunst stieg, dafür zeigte ihr Lichtschein, mit zunehmender Nacht immer deutlicher unsere Ankunft.

Wir waren gewarnt! Die Crew von der< Windlise>, die uns erst auf die Idee brachte dieses Gebiet zu bereisen, hat uns in einem E-Mail darauf hingewiesen, dass uns so was widerfahren könnte. Bloss, wie soll man sich auf so was einstellen, wenn man nicht weiss was auf einem zukommt? Da wir hier in der Nacht einliefen, sind die ersten Eindrücke mehr physischer Art auf uns eingeströmt, oder anders gesagt: „Wir konnten Afrika riechen bevor wir es sahen.“ Der Tag war lang, und vor allem die letzten Meilen durch die Nacht waren so anstrengend, dass wir ohne viel nachzudenken schnell und tief eingeschlafen sind. Später, als wir erwachten, sind wir uns aber sofort bewusst gewesen, es muss schon lange Tag sein, denn: „Afrika hat uns schon seit Stunden akustisch erreicht, immer noch bevor wir es sehen konnten.“ Nun waren wir ehrlich gesagt etwas irritiert, und wussten gar nicht mehr, ob wir uns das auch noch ansehen wollten!

Bei unserer Ankunft haben wir der Dunkelheit wegen den Anker etwas abseits fallen lassen, um uns jetzt, nach dem Frühstück ins Ankerfeld hinein zu verholen. Starker Wind hat die Budlup auch da ungeduldig am Geschirr zerren lassen, und irgendwie kam keine Stimmung auf. Ein Klopfen an der Bordwand hat uns aus der Lethargie gerissen, und ein Bootsmann wollte wissen, ob wir vielleicht an Land wollen, er wäre das Taxi vom CVD? Ja super, wir sind doch angekommen, lass uns dem Afrikanischen Löwen ins Maul sehen, sein Brüllen und sein Mundgeruch können uns nicht mehr davon abhalten!

Das Taxiboot entlässt seine Kunden an einem an die 100m langen Holzsteg, der zum Sandstrand führt. Hier häufen sich die Blaualgenfetzen bei Niedrigwasser zu einem 20m breiten, dichten grünen Teppich. Was da so stinkt ist schwer zu sagen, möglicherweise sind das die verwesenden Fische und Fischteile, oder  der dicht verstreute Haus-un-rat, oder die in grösseren Abständen sich in die Bucht entleerenden, offenen Abwässerkanäle der angrenzenden Wohngebiete. Das Seewasser hat auf den 10 letzten Metern jedenfalls die Farbe eines bekannten Schweizer Milchgetränks, und so wie die Einheimischen darin baden und sich vergnügen könnte man das sogar annehmen, wäre da bloss nicht dieser Geruch! Wir wollen hier nicht zu kritisch sein, es ist unsere erste Begegnung mit Afrika, und die Barriere, die wir bei jedem weiteren Landgang zu überwinden haben. Hier in dieser Bucht liegen an die 60 Boote vor Anker, einige davon schon über 10 Jahre, und sie gehören vorwiegend Franzosen, die auch auf ihren Booten leben.

Behördengänge sind als erstes angesagt, Polizei- und Zollbehörden wollen uns sehen. Nach der Anmeldung im Club geht’s am Pförtner vorbei auf die sandig, staubige Quartierstrasse mit all seinen Restaurants, Einkaufsläden, Telefon- und Kopieshops untergebracht in kleinen Bretterverschlägen und Buden. Da wird auch allerorts gewerkelt, geschweisst, geschliffen und mit einfachstem Werkzeug an Skulpturen herum gehackt. Ein betriebsames, buntes Leben an dem wir da auf den paar Metern zum Taxistand vorbeiwandeln, und niemand stört sich an uns! Die träge Luft ist voller <bonjour, comment ça- va? Bien, merci, merci!> Geschwätz und Gelächter, dabei schlägt man sich gegenseitig in die offene Hand, oder auf die Schultern und ist familiär. Wir können das alles gar nicht sehen, wir sind fremd und müssen zum ersten mal mit einem Taxifahrer den Preis nach Dakar aushandeln. Es soll nicht mehr als 1000 bis 1500 CFA kosten, so wurden wir im Club instruiert. Der Taxifahrer in seiner verbeulten, an verschiedenen Stellen mehrmals überlackierten, gelb – schwarzen Blechkiste japanischen Ursprungs verlangt mit eiserner Miene 3000, denn es wäre im Moment viel Verkehr und bis nach Dakar wäre es weit etc. etc. Schlussendlich einigten wir uns auf 2000 und nahmen auf den Federn des Rücksitzes Platz, die Reise kann beginnen. Unglaublich, dass das Ding überhaupt fährt und absolut überraschend für uns ist, dass es auch bremst und nicht schon beim einbiegen in die Hauptstrasse mit dem erstbesten der zahlreichen andern Verkehrsteilnehmer zusammen stösst. So wie es aussieht, herrscht hier Linksvortritt oder der Hässliche vor dem Schöneren, oder der Stärkere vor dem Schwächeren. Überhaupt, wenn wir schon sterben müssen, warum nicht hier!

Gerädert von den schlechten Stossdämpfern und geschüttelt von den Schlaglöchern, zwängen wir uns aus dem Fahrzeug und stehen irgendwo in Dakar schon bald umringt von Strassenverkäufern, die uns Neulinge so schnell erkennen wie Fliegen den Scheissdreck. <Non, merci! Non, merci! Non, merci!....> Diese Kerle müssen als Beste ein Verkaufstraining bei Käser abgeschlossen haben, denn sie übertreffen selbst ihre Lehrer. Sie kleben an uns und schaffen es immer wieder uns in ein Gespräch zu verwickeln, um schlussendlich ihre Ware in allen Farben gepriesen anzubieten.

Mit Fragen in den Augen will uns hier jeder gerne helfen, aber ob sie auch wirklich wissen wo die Polizei die Einklarierung vornimmt, wissen wir erst, als wir da auch angekommen sind. Der Beamte uns vis-à-vis, ein sehr zuvorkommender Mann, der genau weiss was wir wollen und auch weiss, dass die Schweiz nicht in der EU ist, und wir deshalb ein Visum bräuchten, was wir nicht haben. Er zeigt uns ein Papier auf dem steht, dass ein Visum für Schweizer fakultativ ist, und das meint, dass die Autorität vor Ort beschliessen kann, ob wir einreisen dürften oder nicht. Kein Problem, denn er ist die Autorität und wir wären ihm ja auch sympathisch, aber er hätte wohl ein Geschenk für den Goodwill verdient, oder? Unglaublich, da stehen Tausende auf der Strasse und versuchen ihr Leben zu meistern, und der sitzt da, wohlgenährt mit einer Arbeit und einem sicheren Einkommen, und will noch mehr!


Berichte:

 

 





Grossstadt Dakar

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Strassen Dakars

Strassen Händler

Strassenhändler

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Restaurant Senegalé

Cap Manuel

Augenweide

Flammenbaum

Wahrzeichen Boabab

zwei Seiten

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Bahnhof Dakar

Lebensraum Zug

Lebensraum Strand